Zweiter Sieg in Coburg – perfekter Start – Dauerbrenner Karamatskos

04.10.2018

Traumstart: Besser geht es nicht – zwei Siege zum Start, immer noch Tabellenführer. Die wiha Panthers Schwenningen betreiben in ihrer Euphorie beste Eigenwerbung für Profi-Basketball in VS. „Wenn die Leute jetzt dann keine Lust auf Basketball live auf dem Deutenberg bekommen, wann dann?“, freut sich Trainer Alen Velcic darüber, dass seine Planungen, Vorahnungen und realistischen Einschätzungen vor der Runde nicht untertrieben waren. Die Panthers sind mit ihrem erfahrenen, körperlich starken und erfolgsorientierten Team kein normaler Aufsteiger, der sich nur mit dem Klassenerhalt über die Abstiegsrunde zufriedengeben würde. „Bei unserer Qualität müssen wir einfach die Play Offs als Ziel haben, auch wenn erst zwei von 22 Partien gespielt sind.“

Arbeitsbiene: Keine Frage, Kapitän Kosta Karamatskos ist für die Panthers unverzichtbar und trägt seinen Teil zur Erfolgsphase bei. Der Point Guard hielt am Samstag über 40 Minuten durch. Selten, dass er keine Minute vom Feld ging. Trainer Alen Velcic vertraute auf seine Übersicht. Und dies, obwohl der Deutsch-Grieche mit vier Fouls kurz vor dem Aus stand. „Ich finde, wir haben es in dieser Situation sehr clever gemacht. Immerhin hatten Abu Abaker und Darius Pakamanis ebenfalls vier Fouls, dazu noch Seid Hajric und Rasheed Moore mit deren drei.“ Allerdings standen die ersteren Drei mit 19, 14 und 16 Minuten nicht so lange auf dem Feld. Karamatskos kam dann für auf ihn ungewöhnlichen elf Punkte und die eher zu erwartenden acht Assists, mit denen er schon jedetzt wieder zu den Top3-Vorlagengeber in der Liga zählt.

Punktegaranten: In den ersten beiden Spielen kristallisiert sich heraus, dass ein anderes Duo die wichtigen Zähler im Korb versenkt. Rasheed Moore machte diesmal in 29 Minuten 19 Zähler, dazu starke neun Rebounds und beinahe ein Double-Double. Insgesamt hat er 43 Körbe in zwei Partien geliefert. Nicht viel schlechter ist Neuzugang Leon Friederici. Nach seinen 20 gegen Gießen nun wieder 19. „Bei mir läuft es gut, aber es geht noch viel viel besser. Man kann sich immer noch verbessern, daraum bin ich nie mit mir voll zu zufrieden“, so der 23-Jährige. Bill Borekambi stand nach überstandener Knieblessur immerhin 29 Minuten auf dem Feld.

Ruhige Hand: Mit einer Klasse-Freiwurfquote von 77 Prozent und sieben Dreiern zeigten die Schwenninger in den wichtigen Momenten gute Nerven. Dies glich die enorm vielen Leichtsinnsfehler wie Schritte und verworfene Bälle in unbedrängter Position auf. Bei einer nur minimal besseren Chancenverwertung hätten die Panthers in Coburg locker und leicht die 90-Punkte-Marke erreicht.

Endphase: Alen Velcic war es deutlich anzusehen – die letzten fünf Minuten brachten ihn an den Rand des Wutausbruchs. Zu Recht: „Gegen Gießen haben wir schon die Schlussphase schlampig hergeschenkt“, haderte und mahnte er zugleich vor Wochenfrist den 6:16-Abgang gegen Gießen. „Dies geht einfach gar nicht“, ärgerte sich nun diesmal über den 2:15-Schlussakkord in Coburg. „In der ProB kann man so etwas einfach nicht bringen“, hebt er nochmals den Zeigefinger. Stärkere Gegner nutzen dies gnadenlos aus. Oder liegt es eventuell daran, dass die Schwenninger in den ersten beiden Spielen mit noch nicht einmal annähernd 100 Prozent und Top-Form den Gegnern zu überlegen waren? Beides scheint wahrscheinlich. Womit nur die Frage aufkommt, wie das Team in solch einer Situation reagiert, wird es ernster wird? Der Rhythmus ist schnell weg im Basketball. „Und wer unseren Trainer kennt, der weiß dass er sowas nicht ein drittes Mal durchgehen lässt. Da wird es klare Ansagen geben. Die Jungs dürfen sich zuvor souveräne Phase nicht durch Nachlässigkeiten kaputt machen“, pflichtet Geschäftsstellenleiter Holger Rohde dem Trainer bei. Die vielen Schrittfehler, einfach verworfenen Bälle in der Halbdistanz oder der zu späte Abschluss zum Ende der 24-Sekunden-Shotclock waren vermeidbare Nachlässigkeiten. „Solange es aber darum geht, die Eigenfehlerquote zu minimieren, reden wir echt von Luxus-Problemen.“

Volle Halle: „Das Team hat mit zwei Siegen geliefert, jetzt erwarte ich am Samstag gegen die Dragons Rhöndorf eine volle Halle“, so Trainer Alen Velcic. Nach den 850 gegen Gießen erhoffen sich die Panthers-Verantwortlichen diesmal den ersten 1000er am Deutenberg. Immerhin ist das Team saisonübergreifend seit einem Jahr ungeschlagen und 28 Begegnungen in Serie ungeschlagen. „Ich bin sicher, unsere Jungs bauen diese Bilanz weiter aus“, so Rohde. Rhöndorf startete mit zwei Niederlagen und ging in Gießen am Wochenende mit 59:102 regelrecht unter.

TV-Übertragung: Die Live-Übertragung des Internet-Portals www.sportdeutschland.de war eine insgesamt gute Sache. „Ich finde es toll, dass es so etwas gibt. Am 25. November in Leverkusen und am 15. Dezember in Röhndorf kommen wir noch zweimal live. Ein Service für unsere Fans“, zeigt Holger Rohde auf. „Als allerdings extrem verbesserungswürdig zeigten für sich die technischen Abläufe. „Man sieht, dass die Vereine selber für die Produktionen verantwortlich sind. Leider fiel im dritten Viertel sechs Minuten lang der Ton aus. Durch Probleme beim Scouting-Livestream gab es keinen eingeblendeten Zwischenstand, keine aktuellen Statistiken. Da war Kopfrechnen und Mitdenken angesagt“, so der Geschäftsstellenleiter etwas schmunzelnd. „Und als wir mit 22 Punkten vorne lagen, ist dem Coburger BBC-Kommentator etwas die Lust vergangen zu reden. Auf der anderen Seite zeigt es das enorme Medien-Werbe-Potential was im Basketball in der 2. Bundesliga steckt in der Eigenvermarktung der Clubs und welche Herausforderungen auf alle Vereine zukommen, wenn AirTango seinen Streamdienst in zukunft von der ProA auf die ProB ausweiten sollte – dann werden alle Ligaspiele live übertragen, wozu man ein, zwei Kameraperspektiven, Kommentatoren usw, braucht. Vom Equipment ganz zu schweigen. Professionell wie beim Sport 1-Livespiel Rostock-Trier geht es halt nur, wenn die Fernsehsender selbst ihre Technik vor Ort einbringen.“