Spielerporträt #45: Abdulai Abaker

07.01.2019

Manchmal ist der neue Job nur einen Klick entfernt. Als Abdulai Abaker im Frühjahr 2018 nach einer enttäuschenden Saison mit den Cuxhaven Baskets aus der ProB absteigt, merkt der gebürtige Hamburger, dass die Zeit für eine Veränderung gekommen ist. Ein Jahr in der Regionalliga wollte sich der Wirtschaftswissenschaftenstudent, den alle nur „Abu“ nennen, nur ungern antun. Daher hielt er schon früh Ausschau nach einem neuen Verein in der ProB. „Mein Kumpel Dion Braimoh hatte gerade ein Try-Out in Schwenningen absolviert und mir erzählt, dass Coach Velcic auf der Suche nach jungen, hungrigen Deutschen ist. Daher habe ich den Coach einfach direkt über Facebook angeschrieben und ihm den Link zu meinem Highlightvideo geschickt“, erzählt der 22-jährige schmunzelnd.

Und dem Trainer scheint das Video gut zu gefallen. Er sieht dort einen jungen Aufbauspieler, der mit viel Einsatz in der Verteidigung spielt, Passwege gut antizipiert und so jede Menge Ballgewinne verzeichnen kann. Seinem direkten Gegenspieler gönnt „Abu“ kaum eine Verschnaufpause und klebt wie ein Schatten an seinem Gegenüber. Abakers Spiel hat das, was in der Jugendsprache als Swagger bezeichnet wird. Er versprüht eine unübersehbare Spielfreude und stellt sich obendrein ganz in den Dienst der Mannschaft. „Ich wusste schon, dass die Panthers mit Kosta (Karamatskos) einen Starter auf der 1 haben, aber mir wurde vom Trainer einige Einsatzminuten angeboten. Die Gespräche mit Coach Velcic verliefen toll und ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl“, erinnert sich der junge Aufbauspieler an die Verhandlungen im Sommer. Schließlich entscheidet sich Abaker dazu, das Angebot aus Schwenningen anzunehmen, obwohl ihm auch andere Offerten aus seiner Heimat in Norddeutschland vorlagen. So weit in den Süden Deutschlands hat es den Hamburger zuvor noch nie verschlagen. „Aber es gefällt mir richtig gut im Schwarzwald. Gerade jetzt im Winter ist das mit den Schneemassen eine ganz neue Erfahrung für mich. Am liebsten würde ich ja hier mal snowboarden, aber der Coach hat mir das verboten und ich darf das vertraglich auch gar nicht“, witzelt der Mann mit der Nummer 45.

In den ersten Wochen der Saison läuft es richtig gut für „Abu“ und die Panthers. „Ich glaube, kaum jemand hätte gedacht, dass wir von Anfang an in der Spitze der ProB mitmischen können. Aber Coach Velcic hat uns schon früh gesagt und das Gefühl vermittelt, dass wir als Mannschaft alles mitbringen, um auch um die Meisterschaft mitspielen zu können“, plaudert „Abu“ aus dem Nähkästchen.

Abaker findet schnell seinen Platz in der Rotation und ergänzt sich glänzend mit Kosta Karamatskos auf der Spielmacherposition. Dabei wirkt der 22-jährige zu Beginn der Saison wie der ideale Bankspieler, der dem Team durch sein energiegeladenes Spiel wichtige Impulse gibt. Doch am 18. November 2018 soll sich seine Rolle grundlegend ändern. Nachdem sich Karamatskos im Heimspiel gegen Frankfurt einen Bizepssehnenriss im rechten Arm zugezogen hat, droht der Panthers-Kapitän für den Verlauf der Hauptrunde auszufallen. Nicht wenige Stimmen im Umfeld des Vereins plädieren für die Verpflichtung eines neuen Aufbauspielers. Doch Alen Velcic hat andere Pläne: „Der Coach hat mir von Anfang an gesagt, dass er es mir zutraut, diese große Rolle, die Kosta gespielt hat, ausfüllen zu können“, erzählt „Abu“ mit ein bisschen Stolz in der Stimme. Statt als Energizer von der Bank soll Abaker von nun an die Hauptverantwortung im Spielaufbau übernehmen. Und entgegen mancher kritischen Stimmen funktioniert der Rollenwechsel richtig gut. Schon in seiner letzten Saison in Cuxhaven durchlebte der 22-jährige eine ähnliche Situation, in der er während der Verletzungsphase des Starters mehr Spielzeit und Verantwortung übernehmen musste. Dabei schafft er es gut, seine Kräfte so einzuteilen, dass sein Spiel zwischenzeitlich nicht an Intensität verliert. „Als ich gegen Elchingen fast drei Viertel durchgespielt habe, war ich schon etwas platt. Aber ich muss versuchen, mein Spiel weiter auf einem hohen Intensitätslevel zu halten, denn das zeichnet mich aus“, erklärt „Abu“.

Auch wenn Basketball momentan viel Zeit und Energie kostet, will Abaker sein Studium nicht vernachlässigen. Er ist noch immer an der Hochschule Bremerhaven angemeldet und versucht so viel Unterrichtsstoff wie möglich aus der Ferne aufarbeiten zu können. „In gut einem Monat stehen bei mir sechs Klausuren auf dem Programm. Dann wird sich zeigen, wie gut vereinbar Basketball und Studium in der Konstellation wirklich sind“, erzählt der junge Mann mit chilenischen und sudanesischen Wurzeln. Die Panthers werden Abaker für die Prüfungszeit freistellen. Ein Spiel verpasst er dabei zum Glück nicht.

Sollte er länger bei den Panthers bleiben, wäre ein Wechsel an die Hochschule Furtwangen eine Überlegung wert. Doch so weit möchte der 22.jährige noch gar nicht denken. Die vorrangigen Ziele des Aufbauspielers sind zunächst andere: Erstmal will er mit dem Team den zweiten Platz in der Tabelle sichern, um dann in den Play-Offs die große Überraschung perfekt zu machen und den dritten Meistertitel hintereinander nach Schwenningen zu holen. (TEXT: MANUEL SCHUST)

 

                             

FOTOS: MICHAEL KIENZLER / VOLKER KÜBLER

 

 

 

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