Heimserie endet nach 82:85-Niederlage gegen Coburg

20.01.2019

BARMER 2. Basketball Bundesliga ProB Süd, 17. Spieltag: wiha Panthers Schwenningen – BBC Coburg 82:85 (20:27, 22:13, 17:20, 23:25).

 

Jede Serie geht einmal zu Ende: Am Samstagabend wurde vor rund 650 Zuschauern die Festung Deutenberg geknackt – die Panthers kassierten die erste Heimniederlage seit April 2017.

 

Bitter, ärgerlich, unnötig. Diese drei Worten beschrieben die Gefühlswelt nach der Schlusssirene. So recht mochte es keiner glauben, die Fans auf der Tribüne nicht, die Verantwortlichen am Spielfeldrand, die Spieler schauten etwas ungläubig und Trainer Alen Velcic runzelte zerknittert die Stirn. 82:85 war eine knappe Sache.
Der Sieg war drin, wurde jedoch in der Crunchtime verspielt. Die Panthers gingen in der 35. Minute nach einem Dreier von Leon Friederici mit 74:69 auf fünf Punkte Abstand in Führung. Der Sieg schien sich langsam anzubahnen. Doch dann riss der Faden. Zwar versenkte Abu Abaker noch einen weiteren seiner zwei Dreier zum 77:74 und drei Minuten vor dem Ende lagen die Schwenninger nach einem Moore-Dreier mit 80:76 weiter knapp vorne. Doch eine weitere Schlüsselszene kippte die Partie endgültig: Erst zimmerte Dino Dizdarevic einen Distanzwurf zum 80:81 in den Korb, dann haben die Hausherren kapitales Pech: Bill Borekambi bediente 32 Sekunden vor dem Abpfiff nach einem schnellen Angriff über Abu Abaker mit einem Pass Rasheed Moore. Der Top-Korbjäger wollte mit letztem Risiko einen Alley-Oop-Dunk ansetzen, verpasste jedoch den Korb. Statt auf 82:83 zu verkürzen fallen auf der Gegenseite zwei Freiwürfe rein, die das Spiel entscheiden. Was in dieser Spielphase fehlte war jenes Mittel, was insgesamt an diesem Tag gegriffen hatte: Ein Dreier.

 

Zwölf Treffer aus „Downunder“ versenkten die Panthers durch sechs verschiedene Akteure. Es reichte nicht. Coburg traf zum einen ebenfalls elf Dreier, beide Teams jeweils sieben in der zweiten Halbzeit. Was bei den Schwenningern schlecht war, war die Freiwurfwuote von nur 50 Prozent und die Abschlüsse in der Zone und unter dem Korb. Es begann gleich am Anfang, als Borekambi die ersten vier Versuche verlegte, es setzte sich bei Friederici im Laufe der ersten Halbzeit fort – das Duo erwischte keinen guten Tag. Zudem: letztlich gingen drei der vier Durchgänge verloren, was den BBC-Sieg glücklich aber nicht unverdient machte.

 

Weil Coburg von seinem Trainer Ulf Scharbacker gut eingestellt wurde, sich taktisch clever verhielt. Geschickt vor dem eigenen Korb verteidigte und den wieselflinken US-Amerikaner Chase Adams als Spielmacher hatte. Der 1,77 Meter kleine BBC-Akteur brachte seine Dreierschützen auf dem Flügel sehr gut in Position und kam selber zum Abschluss. Was die Coburger ebenfalls clever machten – sie zogen Fouls und hatten die Referees auf ihrer Seite.

 

Was die Panthers sich ankreiden lassen müssen, ist einfach eine zu hohe Fehlerquote im Passspiel und bei den klaren Wurfabschlüssen. Drei, vier gute Aktionen mehr oder eine ruhigere Hand beim Freiwurf – und -die Heimserie wäre gerade noch einmal gehalten worden. So wurden es nicht „alle Neune“ sondern lange Gesichter und die Erkenntnis, dass die Liga ausgeglichen besetzt ist und alle Teams inzwischen in der Lage sind, jeden Gegner in Gefahr zu bringen.

 

Trainer Alen Velcic merkte von Beginn an, dass sein Team nicht so homogen agierte, wie daheim gewohnt. Im ersten Viertel nahm er bereits nach 2:29 die erste Auszeit. Da lagen die Panthers 3:8 hinten, was sich in den ersten zehn Minuten nicht besserte. Über ein 6:15 gab es in den ersten vier Minuten nur zwei Pakamanis-Dreier. Coburg zog im ersten Viertel dann über ein 8:19, 12:25 (höchste Führung mit -13/7.) bis auf 20:27 weg.

 

Im zweiten Abschnitt startete die Velcic-Fünf eine Aufholjagt mit ihrem besten Run (8:0) des Spiels zum 28:27 (14.). Über ein 36:31 und 40:36 (18.) ging es durch ein 22:13 immerhin mit einer knappen 42:40-Führung nach 20 Minuten in die Halbzeit. Aus der kamen beide Teams motiviert und selbstbewusst heraus. Das Spiel ging nun hin und her. 45:40 – 45:48 – 55:55 – 59:60: Nach 30 Minuten lag Coburg mit einem 17:20-Viertel knapp vorne. In dieser Phase verballerten die Panthers vier Angriffe in Folge und damit die Chance, selber auf vier oder fünf Zähler wegzuziehen.

 

Im letzten Durchgang schienen die Schwenninger ab dem 64:64 Herr der Lage zu werden, ehe die eingangs beschriebene Endphase eine unliebsame Wendung nahm.

 

Stimmen zum Spiel:

 

Alen Velcic (Trainer Panthers): „Daheim verliere ich grundsätzlich sehr ungern. Und heute nervt mich die Niederlage einfach nur, weil wir hätten gewinnen können. Unsere Dreierquote war sehr gut, nur die Zweierausbeute einfach zu schwach. Wir haben nicht als Mannschaft agiert und in der Schlussphase bei mehreren Aktionen die falschen Entscheidungen getroffen. Aber jetzt geht es weiter und wir versuchen nächste Woche in Frankfurt zu gewinnen. Ich sage normal nichts zu den Schiedsrichtern, doch diesmal kann ich nicht ruhig spielen, weil ich finde, dass sie mit zweierlei Maß gemessen haben. Entweder auf beiden Seiten alles, oder nichts. Aber nicht eine 7:1-Foulbilanz gegen uns im letzten Viertel, da haben sie auf Coburger Seite zu viel laufen lassen oder übersehen. Passiert und soll aber nicht das Albi sein für unsere eigenen Fehler im Wurfabschluss.“

 

Ulf Scharbacker (Trainer Coburg): „Jede Serie geht einmal zu Ende. Wir haben dieses alte Sprichwort heute ungesetzt und Schwenningen in eigener Halle geknackt. Die Gründe sind einfach: Wir sind schon seit Wochen gut drauf, was die 8:3-Siege in diesem Zeitraum belegen. Speziell auf die Panthers haben wir uns gut eingestellt und dabei die Spielweise der Ulmer, die hier richtig gut ausgeschaut haben, zum Vorbild genommen. Es hat alles geklappt, auch unsere Dreierquote war gut. Und unser neuer Amerikaner Chase Adams ist ein sehr starker Spieler für die ProB.“

 

Anell Alexis (Panthers-Forward): „Es ist sehr schade, wir haben zu viele kleine Fehler gemacht. Allerdings auch Fouls kassiert, die ich nicht verstanden habe. Solche Tage gibt es, wo man nicht alles richtig macht und der Gegner stark aufspielt.“

 

Rasheed Moore (Panthers-Topscorer): „Wenn man selber 29 Punkte macht und als Team verliert, kann man sich nicht freuen. Ich selber hatte heute auch etliche Fehlwürfe, wenn die alle rein gegangen wären hätten wir gewonnen und ich hatte sicherlich 35 bis 40 Punkte machen können. Wir gewinnen als Team zusammen und verlieren auch. Für mich war es die erste Heimniederlage seit ich in Schwenningen spiele. Dieses Gefühl kannte ich bisher nun wirklich noch nicht.“

 

Holger Rohde (Geschäftsstellenleiter): „Die Niederlage ist ärgerlich, aber kein Beinbruch. Echte Champions lernen aus solchen Spielen mehr. Unser tolles Publikum hat bis zum Ende angefeuert. Die Jungs alles mit Risiko versucht. Positiv waren für mich die zwölf Dreier, da ist endlich der Knoten mal geplatzt.“

 

Statistik: (Punkte-Assists-Rebounds-Spielzeit):

 

Wiha Panthers: Rasheed Moore (29-4-6-36), Anell Alexis (11-2-6-23), Darius Pakamanis (10-1-4-21), Sergey Tsvetkov (10-1-6-23), Bill Borekambi (8-0-4-27), Abu Abaker (6-6-3-34), Leon Friederici (5-4-2-24), Hannes Osterwalder (3-1-2-13), Dion Braimoh (0-0-0-1).

 

BBC Coburg beste Werfer: Chase Adams (18-4-8), Dino Dizdarevic (18-4-4), Kevin Franchesci (16-1-4), Steffen Walde (14-1-3), Christopher Wolf (13-2-8).

 

Dreier: 12:11 (41:42-Prozent), Freiwürfe: Panthers 8 von 16/50 Prozent – Coburg 14 von 20/70, Rebounds: 34:38, Steals: 9:8, Turnovers: 10:16, Fouls: 22:14.

 

FOTO (Manuel Schust): 

Enttäuschte Panthers-Spieler beim High-Five mit den Fans.

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