Eine Sekunde vor dem Ende aus den Träumen gerissen

24.02.2019

2. Basketball Bundesliga ProB Süd, 22. Spieltag: wiha Panthers Schwenningen – FC Bayern München II 68:69 (10:21, 28:12, 18:20, 12:16). Bitterer Schlussakt in der Hauptrunde für den Aufsteiger: Der letzte Wurf hat gesessen am Samstag Abend. Es liefen die letzten Sekunden auf dem Deutenberg. Dramatik pur. Schwenningen hatte eben erst 13 Sekunden vor der Schlusssirene unter Standing Ovations der enthusiatischen Zuschauer durch einen Korbleger von Kapitän Kosta Karamatskos zum 68:67 die Führung zurückerobert. Den Siege damit sicher? Mitnichten. Die Uhr ratterte runter und alle erwarteten das süße Ende nach zuletzt drei Niederlagen in den letzten Wochen.

 

Doch denkste! Der Wurf der jungen Bayern versetzte alle in Schockstarre: Viktor Frankl-Maus setzte zu einem letzten Sprungwurf an. Nicht verzweifelt, sondern wie fast alles der Bayern an diesem Abend, durchdacht. Der Ball landete auf dem Korbring, sprang aber nicht ungeschickt zur Seite weg sondern in die Höhe. Zwei-Meter-Riese Jakob Knauf schraubte sich gegen die zu langsam reagierende Panthers-Defense hoch und wuchtete den Ball per Dunking zum 68:69-Gästesieg ein – 1.1 Sekunden vor der Sirene.

 

Doch selbst jetzt war noch nicht Schluss. Schwenningen kam nach einem Timeout noch zu einer Abschlussmöglichkeit unter dem Korb der Münchner, durch Rasheed Moore zu einem Sprungwurf. Dabei wurde der US-Amerikaner gehindert – per Foul. Was die beiden Schiedsrichter Sebastian Harth (Würzburg) und Hessam Khorassani (Landesberg) anders wertete und die Partie für beendet erklärten. Wütende Proteste der Hausherren halfen nichts. Statt Foul und noch zwei Freiwürfe für Moore, die eine Verlängerung oder gar noch den Sieg hätten bedeuten können, platzten die Heimrecht-Play-Off-Träume mit Rang drei. Die Ansagen in der Auszeit kamen indes von Sergey Tsvetkov. Der Damen-Oberliga-Trainer musste das Coaching in der Endphase übernehmen, weil nach einem unsportlichen Foul von Bill Borekambi mit zwei Freiwürfen für Bayern 1:47 Minuten vor Schluss Coach Alen Velcic reklamierte. Die Folge: Für beide Vergehen drei Freiwürfe für München,. Velcic mit Platzverweis in die Kabine verbannt und Bayern dreht das Spiel von 65:64 auf 65:66.

 

Innerhalb von nur acht Tagen stürzte der Aufsteiger nach einer bärenstarken Hinserie vom zweiten auf den sechsten Rang ab – punktgleich mit den Müncher Bayern und Meister scanplus Elchingen. Da der direkte Vergleich in einer Minitabelle über die Platzierung entschied, lagen die Schwenninger (1:3-Siege) hier hinter Bayern (3:1) und Elchingen (2:2).

 

In den Play offs geht es für die Panthers nun am Fastnachtssamstag erst auswärts los – beim Dritten der Nordstaffel, dem SC Rist-Wedel, ca. 740 Kilometer und gute neun Stunden Busfahrt entfernt an der Elbe gelegen, zwischen Hamburg und Stade. Das zweite Match findet eine Woche später am Samstag, 9. März um 20 Uhr am Deutenberg statt. Ein mögliches entscheidendes drittes Spiel wäre wieder 8 Tage später am 16. März in Wedel.

 

Warum die Schwenninger sportlich mit vier Niederlagen in Serie und dem unnötigen Fehltritt gegen Bayern München II eine bessere Ausgangsbasis verspielten hatte am Samstag Abend mehrere Knackpunkte. Die Gesamtausbeute von unter 70 Punkten mit der zuletzt markanten Abschlussschwäche zog sich wie ein roter Faden durch die 40 Minuten. Es begann mit dem ersten Viertel: Hier lagen die Hausherren in der 9. Minute mit 8:21 deutlich im Rückstand (mit -13 der höchste). Zu viele Eigenfehler mit einfachen Korblegern oder nur insgesamt drei Dreiern sowie in den entscheidenden Momenten immer wieder vergebene Freiwürfen kosteten Punkte. Bayern hatte neun Distanztreffer und kompensierte so eine sehr schwache Freiwurfquote. Der 12:0-Lauf der Gäste im ersten Viertel forderte Mannschaft und Fans der Neckarstädter früh heraus.

 

Was zunächst gelang: Ein bärenstarker zweiter Abschnitt, indem die Panthers einen 10:0-Lauf zur Aufholjagd nutzten, als ein starker Sergey Tsvetkov sechs Punkte machte und zum 29:28 stellte. Das 28:12 in diesen zehn Minuten bis zur Pause sorgte für eine 38:33-Führung. Aber, und diese kleinen Fehler wurden letztlich von den Bayern eiskalt bestraft, hätte höher sein müssen. Gut vier, fünf klare Abschlüsse blieben liegen und mit dem Buzzer zur Pause traf Viktor Frankl-Maus für die Gäste.

 

Da konnte freilich noch keiner ahnen, was am Ende passierte. Doch dies summierte sich im weiteren Spielverlauf. Und dies obwohl die Gastgeber ihre höchste Führung mit acht Zählern zum 41:33 in der 21. Minute so langsam in Richtung Sieg stellen wollten. Doch vier Minuten lang trafen die Panthers danach wiederum keinen Korb mehr. Bayern versenkte drei Dreier in Serie und kippte die Partie mit dem zweiten 12:0-Run abermals auf 41:45 (24.).Bis zum Ende des dritten Viertels ging es hin und her. Auch die Schwenninger hatte ihre Blitzlichter: Darius Pakamanis sorgte mit sieben Punkten in 140 Sekunden für die 56:53-Führung. Diese Spannung trug sich durch das letzte Viertel bis zu den am Ende beschriebenen Herzschlag-Szenen auf beiden Seiten.

 

 

Stimmen zum Spiel:

Alen Velcic (Trainer Panthers): „Mir fehlen heute ein wenig die Worte. Der Frust sitzt natürlich, aber ich möchte mich erst einmal bei den Zuschauern bedanken, die uns wieder, wie in allen Spielen der Saison so toll unterstützt haben. Und wenn in den Play Play Offs gegen Wedel wieder so eine Stimmung herrscht, dann können wir da auch etwas reißen. Jetzt heißt es nach vorne schauen und sich gut vorbereiten. Zu den Schiedsrichtern sage ich heute nur so viel wie es im Fußball auch immer mal wieder ist: Sie können ein Spiel in die eine wie in die andere Richtung entscheiden.“

 

Demond Green (Trainer FC Bayern): „Wir wollten heute dieses schwere Auswärtsspiel. Weil es Play Off-Charakter hatte. Schwenningen ist im Eins-gegen-Eins in der Zone die beste Mannschaft der Liga mit unheimlicher individueller Qualität. Da wollten wir sie einengen und zudem die Dreier verhindern, was uns gelungen ist. Es war ein bis zum Ende offenes und packendes Spiel, bei dem wir das Glück auf unserer Seite haben. Die Zuschauer hier in Schwenningen sind mit dieser Stimmung Klasse, geben ihr Team nie auf, es war für uns ein echter Hexenkessel.“

 

Sergey Tsvetkov (Panthers-Spieler): „Es ist am Ende blöd gelaufen. Doch Jammern hilft da alles nichts. Wir müssen weitermachen und wer weiß wofür es am Ende gut war. Es ist wie es ist, wir spielen gegen den SC Rist-Wedel und wollen es dort besser machen.“

 

Bill Borekambi (Panthers-Spieler): „Wir sind alle sehr enttäuscht, weil wir es selber in der Hand hatten, mit einem Sieg wenigstens Dritter zu werden. Nun müssen wir alles daran setzen, dass wir wieder in die Spur zurückkommen und ein Erfolgserlebnis feiern im Achtelfinale. Play offs haben ihren eigenen Charakter, dies weiß ich vom letzten Jahr mit den Rostock Seawolves.“

 

Holger Rohde (Geschäftsstellenleiter): „Das Spiel hatte schon Play Off-Charakter und da entscheiden eben Kleinigkeiten: Ein Fehlwurf hier, ein Treffer da, eine Schiedsrichterentscheidung, wo das Lamentieren jedoch nichts bringt. In den Play Offs fängt alles wieder bei null an. Ich freue mich dass wir ein fatastisches Publikum haben und ich bin mir sicher, dass wir am 9. März die 1200 Besucher gegen München und Leverkusen noch toppen und uns eine ganze Region in einer bis auf den letzten Platz gefüllten Halle mit 1400 Zuschauern unterstützen wird.“

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