Drei Sekunden vor Ende fällt Siegwurf durch den Korb – Wiha Panthers Schwenningen gewinnen nach 20 Punkten Rückstand mit 75:74 gegen Ulm

02.12.2018

BARMER 2. Basketball Bundesliga ProB Süd, 11. Spieltag

Wiha Panthers Schwenningen – Orange Academy Ulm 75:74 (17:23, 13:19, 19:18, 26:14)

 

Unglaubliche Szenen spielten sich am Samstagabend auf dem Schwenninger Deutenberg ab: 800 Zuschauer stehen Kopf, das Hallendach droht zu explodieren und wegzufliegen, die Stimmung ist auf dem Siedepunkt. Mehr geht nicht an Basketball-Emotion in diesem Moment.

Was war gerade passiert, was den Blutdruck aller Beteiligten nahe an die Belastungsgrenze brachte? Der Kapitän des Abends, Sergey Tsvetkov, bringt die Menge in Ekstase. 2,9 Sekunden vor der Schlusssirene in der 40. Minute versenkte er nach einem tollen Zuspiel von Rasheed Moore vom rechten Flügel einen Dreier. Allem Druck des letzten Wurfes Stand gehalten. Der Ball schwappt durch den Korb und was dann kurze Zeit später folgt, waren Emotionen pur. Trainer Alen Velcic schrie die Freude über diesen Coup heraus, hüpfte wie ein Gummiball an der Außenlinie entlang. Hallensprecher Holger Rohde war nicht mehr zu halten, ging in die Knie und der verletzte Kapitän Kosta Karamatskos hätte am liebsten die Schiene seines operierten Bizeps weggeschmissen. Erst einmal wären alle mit dem Ausgleich und einer Verlängerung schon zufrieden gewesen. So aber wurde der 30-jährige Bulgare zum „Helden des Abends“.

 

Die Spieler genossen sofort das Bad in der Menge mit den Zuschauern – auf enger Tuchfühlung. Schließlich ist man als Einheit längst zusammengewachsen. Denn diese Energieleistung war nicht nur auf dem Feld entstanden, sie kam von den Rängen, wo der Funke überschwappte in einer Phase als es nicht so lief. „Danke an das Publikum. Einfach Wahnsinn, was ihr heute die letzten fünf Minuten gemacht habt“, strahlte Velcic ins Mikrofon. Und er hatte Recht: Niemanden hielt es mehr auf den Sitzen, in einer Partie die die Last-Minute-Siege gegen Erfurt und Würzburg nochmals toppte. „Ich bin einfach nur begeistert über unsere Zuschauer, wie sie das Gespür hatten und das Team unbändig nach vorne gepeitscht haben. Dies macht Basketball zu einem einzigartigen Sport. Und unsere Jungs, die sind einfach verrückt, es wird jedes Mal noch enger. Irgendwann gewinnen wir mal noch durch einen Buzzer-Beater.“

 

Coach Velcic sah ein „brutal schweres Spiel gegen eine super starke junge Mannschaft aus Ulm. Kompliment was sie hier gezeigt haben. Diese jungen Burschen unter 20 sind mit das Beste was es in dieser Altersklasse in Deutschland gibt“, lobte er. Sein Ulmer Trainerkollege Daniel Jansson war natürlich entsprechend enttäuscht. „Es ist eine ganz bittere Niederlage und Erfahrung für uns. Wir haben die ganze Zeit geführt. In der ersten Halbzeit alles richtig gemacht. Viele Dreier getroffen und die Schwenninger gepresst.“

 

Was den Hausherren gar nicht schmeckte: Die lagen nur zweimal in Führung. Beim 2:0 von Seid Hejric und dem 17:16 durch zwei Freiwürfe von Rasheed Moore. Dazwischen legten die Ulmer los wie die Feuerwehr. 4:8 (2.), 13:16 (7.), 17:23 (10.) – in den ersten zehn Minuten krachten bei der Academy um den 39-jährigen Routinier Nils Mittmann – er spielte insgesamt 14 Jahre lang in der Basketball Bundesliga –  die Dreier wie im Dauerregen. Alleine sechs offene Würfe sorgten für 18 der 23 Gästetreffer. Und die ließen im zweiten Viertel nicht locker. Blitzschnell ging Ulm auf 17:27 (11.), 21:33(14.) und sogar 23:42 in der 17. Minute mit -19 Punkten auf und davon. Acht Dreier fielen in dieser Phase insgesamt nach dem 13:19 bis zur 20. Minute zum 30:44-Pausenstand.

 

Die Distanzknaller der Ulmer Rasselbande schraubten das Resultat mit einem 11:0-Lauf und insgesamt 13 Dreiern immer weiter nach oben. Alleine zehn davon in den ersten 24 Minuten. Und so war auch der dritte Abschnitt noch keine Panthers-Aufholjagd. Im Gegenteil: Mit 32:52 war zu diesem Zeitpunkt auch Alen Velcic innerlich aufgewühlt. „Da habe ich schon gedacht, oh je, das wird heute wirklich schwer gegen diesen Gegner das Ding noch zu drehen.“ Seine Jungs drehten es. Sie gaben Vollgas und legten einen fulminanten Zwischenspurt hin. Und wie: Ein überragender Bill Borekambi (22 Punkte) startete mit Sergey Tsvetkov und einem Dreier von Leon Friederici einen 11:0-Sprint zum 43:52 (27.). Das Trio holte die Kohlen aus dem Feuer, weil diesmal Topscorer Moore von der Verteidigung der Ulmer komplett aus dem Spiel war und sich zudem nach einer Hüftverletzung über den Rest der Spielzeit quälte. Plötzlich waren die Gastgeber dennoch wieder dran, die Halle wachte auf und mit einem 19:18 bis zum Viertelsende war mit 49:60 zumindest noch nichts verloren.

 

Dass im Basketball sogar 20 Punkte Rückstand noch kein Ende bedeuten, zeigte sich im letzten Viertel. Friederici eröffnete mit einem Dreier, die bei den Gästen jetzt nicht mehr fielen wie Bonbons. Für die Spüßspeise waren die Gastgeber verantwortlich: Borekambi legte Punkt um Punkt nach, Hannes Osterwalder machte nun sein bestes Spiel, steuerte elf Punkte und sieben Rebounds bei. Wichtige Freiwürfe fanden mit ruhiger Hand das Ziel. Kurz um: Es lief wieder bei den Panthers, die die letzten 16 Minuten mit einem unglaublichen 43:22-Run über die Orange-Youngster hinwegfegten. Der Rückstand schmolz von 52:64 und 59:69 auf 65:71. Dann wurde es dramatisch: 1:20 Minute vor dem Ende legte Marius Stoll die letzten Ulmer Zähler zum 69:74. Fünf Punkte Rückstand, die die Schwenninger aufholten. Und wie: Osterwalder macht einen Freiwurf, Moore trifft per Korbleger zum 72:74, noch 40 Sekunden zu spielen. Die Panthers holen sich wieder den Ball und Tsvetkov schüttelt noch einen gewaltigen Wurf aus dem Arm, der das kleine Basketball-Wunder wahr werden lässt. „Ich danke Gott für diesen Wurf. Und dass Rasheed mich gesehen hat und zu mir passte. Unglaublich auch unser tolles Publikum, ohne diese Fans hätten wir dieses Spiel heute nicht mehr gedreht“, blieb er ganz bescheiden.

 

Die Panthers haben sich in dieser Saison zum wiederholten Mal an Dramatik und Spannung übertroffen. Der Aufsteiger rockt nun weiter mit die ProB und baute seine makellose Heimserie auf sechs Siege in sechs Spielen aus. Die Vorrunde schließen die Schwarzwälder mit 8:3-Erfolgen auf dem sensationellen zweiten Platz hinter den Bayer 04 Giants Leverkusen ab (10:1), die beim Dritten in Elchingen (7:4) die erste Saisonniederlage kassierten (64:96). Die kommenden zwei Wochen kann der Deutenberg jetzt wieder etwas herunterkühlen. Zum Rückrundenstart müssen die Panthers nach Erfurt und Rhöndorf, dann kommt der Jahresabschluss gegen Meister Elchingen am 22. Dezember beim Weihnachtsspiel.

 

Statistik:

Sergey Tsvetkov (12 Punkte/2 Assists/5 Rebounds), Dion Braimoh (0/0/0), Anell Alexis (0/0/3), Bill Borekambi (22/2/7), Rasheed Moore (10/3/3), Leon Friederici (11/4/0), Darius Pakamanis (2/1/0), Hannes Osterwalder (11/0/7), Abu Abaker (1/1/1), Seid Hajric (6/3/7).

Dreier: 5:13, Freiwürfe: 80 (8 von 10) zu 68 (13 von 19) Prozent, Rebounds: 36:30, Steals: 5:7, Turnovers: 13:12, Fouls: 17:17.

 

FOTO (Michael Kienzler): 

Mann des Abends war Sergey Tsvetkov, der mit einem Drei-Punkte-Wurf 2,9 Sekunden vor dem Ende der Partie, den Siegtreffer erzielte.

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