Der Wahnsinn geht weiter – Panthers stehen im Halbfinale

06.04.2019

2. Basketball Bundesliga ProB, Play Off-Viertelfinale, Spiel 3: Gießen 46ers Rackelos – wiha Panthers Schwenningen 100:101 (28:20, 22:2322:2318:2410:11). Samstag Abend 22 Uhr in der Gießener Ostsporthalle: Die laute Schlusssirene ertönt just in diesem Moment als der Dreierversuch des Gießeners Thomas Tshihaya vom Schwenninger Korbring zurückprallt. Kein Treffer, kein tosender Jubel in der Halle bei den rund 1000 Zuschauern. Stattdessen reißen Die Panthers-Spieler ihre Arme hochoder ballen die Fäuste, die Bank stürmt das Spielfeld und Trainer Alen Velcic hält sich die Hände den Kopf schüttelnd kurz vors Gesicht. Geschafft! Aus und vorbei – denkste, noch lange nicht. Die Play Offs gehen weiter. Langsam schreibt der Aufsteiger seine eigene Basketball-Märchen-Geschichte. Halbfinale! Halbfinale! Halbfinale! Der Jubel kennt keine Grenzen. Es war ein Kraftakt, ein unglaublicher Willensschritt, den die Schwarzwälder in Hessen vollzogen haben.

 

Das sechste Play Off-Spiel seit Fastnacht – viermal auswärts, davon drei Partien gewonnen. Im Basketball ungewöhnlich, ja fast sensationell. Und die Mannschaft zeigte in Gießen erneut ihre Stärken und Tugenden: Nie aufgeben, fokussieren, Wille, Geduld, Bejarrlichkeit sowie Kampfgeist. „Ich kann es wirklich gerade noch gar nicht glauben“, staunte Bill Borekambi. Er war es, der mit dem letzten Treffer der Schwenninger vier Sekunden vor dem Ende die 101:100-Führung erzwungen hat und die Gießener Zuschauer auf den Tribünen in eine Schockstarre versetzte.

 

Das Ende einer völlig verrückten Partie brauchte bei den Panthers ein Nervenkostüm wie Drahtseile. Mit einem Bein war die Saison beinahe schon beendet. Das erste Viertel hatte Gießen mit 28:20 gewonnen, zweitweise mit 14 Punkten vorne gelegen. Schwenningen lief 40 Minuten einem Rückstand hinterher. Kam immer wieder heran, lag dann wieder weiter zurück. Scheinbar zermürbend, nicht jedoch für ein charakterfestes, erfahrenes Team. Das zweite Viertel bis zum 50:43-Pausenstand und den dritten Abschnitt nach 30 Minuten jeweils mit 22:23 gewonnen. 72:66 stand es vor dem letzten Durchgang, den die Panthers mit 18:24 für den Gleichstand und „Nachschlag“ nutzten.

 

Es laufen im vierten Viertel der regulären Spielzeit die letzten 33 Sekunden: Gießen liegt mit 90:86 und vier Zählern vorne. Foul an Abu Abaker. Der kleine Pointguard verwandelte, weil beide Teams die fünf Teamsfouls voll haben, die fälligen Freiwürfe zum 90:87 und 90:88. Es geht weiter. Jordan Williams vergibt zwölf Sekunden vor dem Abpfiff mit einem Korbleger die Entscheidung zum 92:88. Rasheed Moore krallt sich den defensiven Rebound. Und dann wird uns Basketball mit Herflimmern: Moore vergibt zwei Sekunden vor dem Ende einen Korbleger. Doch Anell Alexis schaltet am schnellsten und drückt den Rebound mit einem Tip in zum 90:90 in den Korb. Verlängerung. Kurz Durchatmen. Neue Chance und das Momentum des Selbstbewußtseins oder gerne auch „psychologischer Vorteil“ ausgedrückt, bei den Velcic-Schützlingen.

 

Weiter geht es in die fünfminütige Verlängerung. Hier sorgt Anell Alexis mit einem Dreier zum 92:93 in der 41. Minute erstmals im gesamten Spiel überhaupt für eine Panthers-Führung. Die schafft Moore nochmals zum 94:95 (42.). Doch die 46ers schlagen jedes Mal zurück und ziehen sogar auf 98:95 weg (43.). Bis zu einem Finish, das die ersten 40 Minuten noch einmal topt: 2:08 Minuten vor Schluss bekommt Moore zwei Freiwürfe – beide Sitzen. Ein weiterer Freiwurf nagelt der US-Amerikaner nervenstark zum 98:98 durch den Korb – noch 1:28 Minuten zu spielen. Dann macht Bjarne Kraushaar zwei Freiwürfe für Gießen rein zum 100:98 (54 Sekunden noch auf der Uhr). Wieder Foul, wieder Freiwürfe für Moore: Einen verballert er, mit dem zweiten verkürzt er 32 Sekunden vor Ende auf 100:99. Und dann kommt der letzte große Schwenninger Auftritt: Bill Borekambi wird bei einem Wurf geblockt, doch Sergey Tsvetkov schnappt den Rebound, der Ball landet bei Abaker und dessen Zuspiel bringt Borekambi vier Sekunden vor der Sirene zum 100:101 im Gießener Korb unter. Timeout durch Rolf Scholz bei den 46ers. Der Rest war Eingangs beschrieben, als die Uhr schrillte und die Tür für das Halbfinale öffnete.

 

 

Dort spielen die Panthers nun am kommenden Samstag, 13. April um 19.30 Uhr bei den WWU Baskets Münster in Westfalen. Das zweite Duell in Schwenningen ist auf Ostersamstag, 20. April um 20 Uhr in der Deutenberghalle terminiert. Eine eventuell dritte Begegnung wäre wiederum am Samstag, 27. April in Münster. Münsters Manager Helge Stuckenholz telefonierte bereits am Sonntag Morgen mit Panthers-Geschäftsstellenleiter Holger Rohde. „Wir freuen uns auf die Duelle mit Schwenningen. Ich denke bei unseren Fans mit 3000 und bei den Panthers mit 1400 wird es jeweils volle Halle und tolle Play Off-Basketballfeste geben“, so der Münsteraner. Rohde meinte ebenfalls: „Unser Geschäftsführer Markus Käshammer bereitet diese Woche mit mir den Vorverkauf vor, denn es wird klar sein, dass es einen Run auf die Tickets geben wird. Gegen Gießen waren wir ausverkauft und dieses Spiel wird sicherlich 2000 Leute anlocken und wir haben nur 1404 Kapazität. Der Start des Vorverkauf an den neun bekannten Stellen ist ab Donnerstag, 11. April für sechs Tage bis zum 17. April geplant. Ein Fan –Bus wird via Facebook ab dem heutigen Montag ebenfalls angeboten. „Da hoffe ich, dass wir diesmal schnell 40 bis 50 Plätze voll bekommen. Diese Halle in Münster mit der Atmosphäre sollte sich niemand entgehen lassen. Münster hat uns vorab schon 100 Tickets geblockt, die wir gerne abrufen würden. Die sind ansonsten ausverkauft und könnten sicherlich auch 4000 bis 5000 Karten für dieses Spiel absetzen. Das wird der emotionale Knaller werden, da bin ich mir sicher.“

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