„Alle Zutaten für eine erfolgreiche Saison!“ – Eurobasket-Experte Miles Schmidt-Scheuber plaudert im Interview über die Wiha Panthers

18.12.2018

Wer die Live-Übertragung des Auswärtsspiels in Rhöndorf verfolgt hat, dem wird sicher der fachkundige Kommentator des Spiels aufgefallen sein. Seit nunmehr 15 Jahren kommentiert Miles Schmidt-Scheuber Basketballspiele und ist vielen Fans durch seine Tätigkeit als Deutschland-Korrespondent der weltweit größten Basketballseite Eurobasket.com bekannt. Als regelmäßiger Kommentator der Heimspiele der Dragons Rhöndorf und der Fraport Skyliners Juniors kennt der Deutsch-Amerikaner die ProB wie kaum ein Zweiter. Das ist Grund genug, sich mal mit dem gebürtigen Bostoner über die Panthers zu unterhalten.

 

Miles, Du kannst in Deiner Karriere als Kommentator auf über 500 Live-Übertragungen zurückblicken. Erzähl uns doch mal, wie Du als gebürtiger Amerikaner zum deutschen Basketball gekommen bist!

Das hat sich tatsächlich eher zufällig und ganz ungeplant entwickelt. Ich war schon immer ein Basketballfan, aber als jemand, der in den USA aufgewachsen ist, dachte ich natürlich, dass es außerhalb der NBA keinen guten Basketball gibt. Nachdem ich nach Deutschland ausgewandert bin, habe ich zunächst für AFN, den Sender der amerikanischen Streitkräfte, in Frankfurt gearbeitet. Im Jahr 2004 bin ich auf die Skyliners aufmerksam geworden und habe angefangen, über deutschen Basketball zu berichten, obwohl der Sender das eigentlich gar nicht wollte. Nur ein halbes Jahr später habe ich dann schon die Spiele der Skyliners im Webradio übertragen und eine völlig ungeahnte Begeisterung für deutschen Basketball entwickelt. Mittlerweile habe ich Spiele auf jedem erdenklichen Niveau kommentiert. Egal ob Euroleague, BBL, ProA, ProB und auch NBBL, JBBL – es macht mir unglaublichen Spaß, über deutschen Basketball zu berichten.

 

Das Spiel am Wochenende war bis zum Schluss richtig spannend. Was hat aus Deiner Sicht am Ende den Comeback-Sieg für die Panthers ausgemacht?

So 37, 38 Minuten war das ein richtig enges Spiel mit ungewissem Ausgang. Wie immer in solch knappen Partien sind es am Ende oft Kleinigkeiten, die ein Spiel entscheiden. Ich hatte den Eindruck, dass die Rhöndorfer Spieler ein bisschen müde waren am Ende. Die Panthers waren wacher, entschlossener und konnten am Ende nochmal einen Gang hochschalten. Zudem hatte Schwenningen mit Rasheed Moore den Schlüsselspieler in ihren Reihen, der an fast allen wichtigen Szenen am Ende beteiligt gewesen ist. Sowohl offensiv als auch defensiv hatte er einige tolle Plays und hat die Panthers so auf die Siegerstraße geführt.

 

Schon in Deiner Übertragung hast Du Rasheed Moore hervorgehoben und sehr gelobt. Letztes Jahr wurde Rasheed zum MVP der Regionalliga gekrönt. Glaubst Du, er kann auch in der ProB diese Auszeichnung abräumen?

Absolut! Ein MVP sollte eine tragende Rolle für ein erfolgreiches Team ausfüllen. Und Rasheed Moore ist als Topscorer und Toprebounder beim Überraschungsteam der Saison automatisch einer der heißen Kandidaten auf den MVP-Titel. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt hätte er meine Stimme (lacht). Mich begeistert besonders seine Vielseitigkeit und dass er sich ohne große Anlaufzeit in der ProB sofort akklimatisiert hat. Es ist immer wieder faszinierend, zu beobachten, wie sich solche Ausnahmespieler weiterentwickeln und wo sie ihr Weg hinführt. Ich bin mir sicher, dass wir diese Saison und auch in den kommenden Jahren noch viel von Rasheed Moore hören werden! Aber das trifft ja auch auf die Panthers zu!

 

Wie hat Dir der Basketball gefallen, den Alen Velcic spielen lässt? Und welcher Panthers-Spieler neben Moore hat in Rhöndorf Dein Interesse geweckt?

Ich habe die Panthers am vergangenen Wochenende das erste Mal live gesehen. In Rhöndorf hat die Mannschaft sicher nicht ihren besten Tag erwischt. Dennoch war phasenweise gut zu erkennen, warum die Panthers bislang so erfolgreich spielen. Alen Velcic hat einen Kern der letztjährigen Mannschaft beisammenhalten können und den Kader punktuell mit erfahrenen Qualitätsspielern wie Borekambi und Friederici ergänzt. Schwenningen spielt einen teamorientierten, schnellen Basketball, der für die Zuschauer sehr attraktiv ist. Neben Moore werde ich vor allem Anell Alexis und Abdulai Abaker weiter im Auge behalten. Alexis bringt den großen Namen seines Vaters mit, ist aber ganz unabhängig davon ein sehr interessanter, vielseitiger Spieler. Abaker ist antrittsschnell und jemand, dem man aufgrund seiner Spielfreude einfach gerne zuschaut. Ich bin gespannt, ob er nach der Verletzung von Kosta Karamatskos weiterhin so stark auf der Spielmacherposition agieren kann.

 

Die Panthers haben sich im ersten Jahr gleich in der Spitzengruppe der ProB etabliert. Hat es Dich überrascht, dass der Aufsteiger aus dem Schwarzwald auf Anhieb eine feste Größe in der Liga ist?

Es hat mich nicht unbedingt überrascht, dass die Panthers sich so gut präsentieren. Nicht umsonst hat die Mannschaft in der Regionalliga in den letzten Jahren dominiert und ist unglaublich heimstark. Das Team ist gut zusammengestellt und die Verpflichtungen im Sommer waren richtig gut auf den eigenen Spielstil abgestimmt. Mich erinnert die Ausrichtung in Schwenningen sehr an das, was in den letzten Jahren in Elchingen passiert ist. Und die Scanplus Baskets sind schließlich letzte Saison Meister geworden!

 

Du hast alle Mannschaften der Südstaffel bereits einmal gesehen. Welche Teams siehst Du als Favoriten in den anstehenden Play-Offs? Und wie weit können die Panthers aus Deiner Sicht kommen?

 

Die ProB-Süd ist in dieser Saison sehr spannend und viele Teams sind vom Niveau her nicht weit auseinander. Leverkusen hatte ich vor der Saison nicht so überlegen gesehen, aber die Bayer Giants haben sich in einen Rausch gespielt und sind aus meiner Sicht momentan wirklich das Nonplusultra. Knapp dahinter sehe ich Schwenningen und Elchingen. Bei Frankfurt fehlt die Konstanz beim Personal und man weiß nie sicher, ob Doppellizenzspieler wie Richard Freudenberg oder Elijah Clarance im Kader stehen. Ich glaube, dass den Panthers der Ausfall von Kosta Karamatskos sehr weh tut. Es wird für den weiteren Verlauf der Saison entscheidend sein, ob es der Mannschaft gelingen wird, dauerhaft diesen Verlust kompensieren zu können. Die Play-Offs wird Schwenningen sicher erreichen, dann werden die Karten sowieso neu gemischt! Mit der eingespielten Mannschaft und den vielen erfahrenen Spielern haben die Panthers alle Zutaten für eine erfolgreiche Saison!

 

In der Südstaffel der ProB haben sechs der zwölf Teams einen direkten Bezug zu Erstligisten. Wie erlebst Du das Spannungsfeld zwischen ambitionierten Teams und Mannschaften, die eher den Ausbildungsaspekt von Talenten im Vordergrund sehen. In welche Richtung entwickelt sich die Liga?

Ich persönlich sehe gerne die Spiele, in denen Teams mit jungen Talenten auf Mannschaften mit erfahrenerem Personal treffen. Wenn ganz junge Spieler sich mit Veteranen messen müssen, ist das für alle Beteiligten sehr reizvoll. In den letzten Jahren ist der Trend sicher mehr in Richtung Jugendentwicklung gegangen und ich glaube, das wird sich in Zukunft auch noch verstärken. Es ist für viele junge Talente mittlerweile gar nicht mehr so erstrebenswert, den Weg über das College zu gehen. Vor einigen Jahren war das noch der vorgeebnete Weg, wenn man wirklich eine Basketballkarriere angestrebt hat als junger deutscher Spieler. Alle Beteiligten sollten stolz darauf sein, dass mittlerweile so viele Talente in Deutschland bleiben und in einer Liga wie der ProB ihre Entwicklung vorantreiben.

 

Wann können wir Dich mal in der Deutenberghalle in Schwenningen begrüßen? Und wann siehst Du die Panthers das nächste Mal live?

Spätestens in der nächsten Saison werde ich mir vor Ort ansehen, was in Schwenningen aufgebaut worden ist. Die Panthers sehe ich schon Ende Januar wieder, wenn das Spiel in Frankfurt ansteht, das ich wieder kommentieren werde.

 

FOTO:
Miles Schmidt-Scheuber zusammen mit Panthers-Spieler Rasheed Moore im Kommentatorenbereich von sportdeutschland.tv

 

 

 

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