Teamgeist führt Panthers zum sechsten Heimsieg der Saison

03.12.2018

Schwenningen bleibt daheim mit weißer Weste

 

Der 75:74-Sieg der Wiha Panthers Schwenningen im schwäbischen Derby gegen Ulm hatte mehrere Gründe: Wo sonst die Leistungsträger die Kohlen aus dem Feuer holen, hat dieses Mal eine breite Teamleistung für den Erfolg gesorgt. Die Fans haben schön längst ein feines Gespür für das neuformierte Team entwickelt – die Halle kochte beim sechsten Sieg im sechsten Heimspiel in der BARMER 2. Basketball Bundesliga ProB, mit dem die Neckarstädter mit 8:3-Siegen sensationell als Zweiter abschließen.

 

Matchwinner: Seit 2014 ist er bei den Panthers, spielt seine fünfte Saison in Schwenningen und hat vieles miterlebt, wie die beiden 1. Regionalliga-Meistertitel. Die Rede ist von Sergey Tsvetkov, der am vergangenen Samstag seinen persönlichen Höhepunkt in der Neckarstadt feierte. Der 30-jährige konnte es nach seinem Dreierwurf drei Sekunden vor dem Ende zum 75:74 kaum glauben. „So ein Wurf ist mir hier noch nie gelungen“, blieb der Positiv-Denker dennoch cool, als ihn Bill Borekambi beim Jubeln auf dem Spielfeld beinahe umrammte. Tsvetkov spielte lediglich dreizehn Minuten. Die waren aber effektiv wie bei niemand anderen: Eine +9 Bilanz, zwölf Punkte, zwei Dreier im letzten Viertel, fünf Rebounds und noch zwei Assists – es war der Abend des „Vertretungs-Kapitäns“ vom verletzten Kosta Karamatskos. „Sergey zahlt uns in vielen Spielen das zurück, warum wir ihn als letzten Spieler diesen Sommer für den Kader weiterverpflichtet haben.“ Der bei den Fans beliebte, bodenständige Bulgare, ist ein akribischer Arbeiter. „Ich habe ihn ja oft genug schon im Fitness-Studio erlebt. Der versucht immer am Maximum zu trainieren, sich zu verbessern und das Beste aus sich herauszuholen und sich zu optimieren“, so Geschäftsstellenleiter Holger Rohde.

 

Versprechen: In Sportlerkreisen gehört das Tippen vor Saisonbeginn zu den bekannten Ritualen. Es gibt die Megaexperten und die, die voll daneben liegen. Ersteres ist Trainer Alen Velic, wie Rohde bestätigt. „Er hat mir vor dem ersten Spiel gesagt, dass wir die Hinserie mit 8:3-Siegen abschließen können – wir haben es geschafft. Ich ziehe den Hut vor ihm, weil mir von Anfang an klar war, dass das keine Motivationssprüche sind, sondern das sagt einer, der alles durchdenkt, plant und wenn es nicht läuft, immer einen Plan B in der Tasche hat, um das Problem zu lösen. Diese Mentalität hat er auf das Team übertragen, auch weil wir Spieler geholt haben, die Gewinner-Typen sind, die hier in Schwenningen etwas erreichen wollen und können.“

 

Verantwortung verteilt: Die Orange Academy aus der Donaustadt hatte nach den ersten zehn Spielen offenbar eine kleine Schwachstelle bei den Schwenningern ausgemacht, die ihnen den Sieg bringen sollte. Die eigentlich große Stärke der Panthers mit ihrem Topscorer Rasheed Moore, der an normalen Tagen zwischen 20 und 30 Punkten in Serie abliefert und im Herbst in Bestform agierte. Die frechen Ulmer hatten den US-Amerikaner mit einer Box-and-one Defense tatsächlich aus dem Spiel genommen. Ihn zudem bei einem Zusammenprall an der Hüfte lädiert, und so biss sich der 23-jährige Allrounder über 30 Minuten durch das Spiel. Nach einer Verschnaufpause kam er in der Schlussphase wieder. „Nur“ zehn Punkte und drei Assists, insgesamt aber mit was für drei Aktionen zum Schluss: Das wichtige 72:74 legte er in den Korb, den entscheiden Pass zum Siegwurf entstammte seiner Hand. Und mit der Sirene blockte er den letzten Ulmer Wurfversuch voller Adrenalin in der Luft ins Aus. Dass es zum Sieg reichte war somit letztlich eine ganz neue Seite der Panthers: Nicht Moore, nicht Friederici, waren diesmal zusammen mit Bill Borekambi das magische Dreieck. Borekambi, der mit 37 Minuten am längsten auf dem Feld stand, war mit 22 Punkten und sieben Rebouds überragend. Doch neben Matchwinner Tsvetkov sorgte Hannes Osterwalder mit seinen elf Körben und sieben Rebounds für Glanzpunkte. Ebenfalls als „Abräumer“ saugte 117-Kilo-Center Seid Hajric mit seinen Pfannen großen Händen sieben Rebounds, drei Assist und sechs Punkte an. „Es ist unglaublich woher meine Mannschaft diesen unbändigen Willen, diese Energie hernimmt, solche Spiele noch zu drehen“, lobte Velcic den Charakter seiner „Winner-Jungs“. Dies merkte auch Neuzugang Anell Alexis. Er durfte zehn Minuten ran, hatte noch Abstimmungsprobleme, was aber nach der anstrengenden Woche normal ist. „Es kamen viele neue Eindrücke auf mich zu. Das Team hat eine super Mentalität, ich habe es gleich gespürt und nun direkt miterlebt“, genoss er das Bad in der Menge der vielen jungen Zuschauer, die sich nach Spielende ein Autogramm sicherten.

 

Zuschauer-Base: Ein Schnitt von gut 850 Fans haben die Panthers in den ersten sechs Spielen angelockt. „Das Team betreibt perfekte Eigenwerbung mit solch engen Spielen. Es ist traumhaft wie die Fans mitgehen. Die letzten fünf Minuten saß niemand mehr auf seinem Sitz“, strahlte Trainer Alen Velcic. Trommler Georgios „Manolo“ Karaiskos und seine Jungs hatten ebenso einen „Gegner“. Drei mitgereiste Ulmer Fans machten mächtig Stimmung und puschten so die Schwenninger, noch mehr Gas zu geben. Und die namenhaftesten Knaller kommen ja noch in den verbleibenden fünf Heimspielen der normalen Runde. Meister Oberelchingen, Tabellenführer Bayer 04 Leverkusen und die zweite Garnitur des FC Bayern München. „Deswegen gibt es jetzt dann auch noch einmal ein spezielles Ticketangebot: Fünf Spiele zum Preis von vier“, so Geschäftsstellenleiter Holger Rohde.

 

After-Game-Party: Die erste After-Game-Party mit dem Team Powerplay im „Eisbär“ am Schwenninger Eisstadion war ein Erfolg. Zusammen mit den Volleyballerinnen der Monstars TV Villingen und Volleyballern, Handballern der TG Schwenningen sowie vielen Sportfans wurde ausgelassen gefeiert. „Unsere Jungs waren allerdings sichtlich platt und mitgenommen, wir Verantwortliche haben es da schon ein paar Stunden länger ausgehalten. Bei mir war nur die Stimme am Anschlag“, kamen Holger Rohde, der auch Hallensprecher ist, sowie Teammanager Nenad Bogdanovic ins Schmunzeln. Grund: Das Panthers-Team war zwar geschlossen vertreten, doch die Beine wogen schwer und die Funktionäre hatten mehr Bewegungsdrang beim Tanzen. „Solche Spiele wie gegen Würzburg, Erfurt und jetzt Ulm darf es allerdings nicht ständig geben, sowas ist jedes Mal ein Herzinfarktrisiko“, meinte Bogdanovic. Rohde merkte an, „dass solche Partys in unserer Sportstadt doch eine runde Sache sind und wenn man sieht, was um drei Uhr Morgens noch los war, dann war es eine gelungene Aktion.“

 

Weihnachtsspiel: Zwei Wochen warten, heißt es nun für die Panthers-Fans bis zum 22. Dezember zum siebten Heimspiel gegen Meister Elchingen, der zum Derby erwartet wird. Davor geht es am kommenden Wochenende nach Erfurt, dann nach Rhöndorf bei Bonn. „Unser Ziel ist gegen Elchingen auf alle Fälle die Halle erstmalig in dieser Saison vierstellig zu füllen und die 1000er-Marke zu knacken. Es wird wieder ein Sponsoren-Spieltag sein, diesmal von ALDI SÜD unserem Ausbildungspartner. Natürlich mit Weihnachtsgewinnspiel, weihnachtlicher Stimmung und für Kinder süßen Leckereien. Wir haben jetzt schon viele Anfragen von Fußball- und anderen Sportvereinen für Kartenkontingente. Nach den letzten dramatischen Spielen ist Basketball in VS zu einer echten Actionsportart mit Erlebnischarakter geworden. Die Jungs haben es verdient, dass die Halle brechend voll wird bis auf den letzten Platz. Mehr Spannung bietet keine andere Sportart. Vor allem nicht jetzt in der kalten Jahreszeit.”

 

FOTO (Michael Kienzler):
Nach überstandenen Rückenbeschwerden war Bill Borekambi wieder Punktegarant gegen Ulm

Laden Sie sich die Panthers App herunter! Ein muss für jeden Fan.